Glaube beginnt im Wohnzimmer
Wo beginnt Erweckung?
Gestern habe ich ein interessantes prophetisches Wort gelesen. Darin hieß es u.a.:
‚Das Wohnzimmer zu Hause wird mehr und mehr zum Hauptfokus und zur Haupt-
attraktion. Die Gläubigen werden gelehrt werden, wie man die Gegenwart Gottes zu
Hause einladen und pflegen kann, bevor man damit anfängt Gottes Gegenwart in
Gemeinden zu erwarten.‘ (Jeremiah Johnson)
Bevor ich weiterschreibe, möchte ich gleich vorab klar stellen, dass das kein Wort
gegen die lokale Gemeinde oder Kirche ist. Im Gegenteil. Dieses Wort beinhaltet
den Schlüssel dazu, dass Gemeinden wieder und vermehrt das werden, zu dem sie
berufen sind: Licht in der Dunkelheit, Hafen für Sünder, Stimme für Gerechtigkeit,
Raum für Erweckung und Ort für Zeichen und Wunder.
Der Punkt ist der: wenn wir Erweckung erleben möchten, dann wird Erweckung
nicht in der Kirche ihren Anfang nehmen, sondern in den Häusern derer, die in die
Kirche gehen. Gott bereitet große Bewegungen, großes Wirken, große Gläubige im
Verborgenen, im Kleinen, im Unscheinbaren vor. Mose wurde als Baby versteckt und
wuchs mit falscher Identität auf, David lernte sein Vertrauen, seine Abhängigkeit von
Gott beim Schafe hüten und in Höhlen, wo er sich vor seinen Feinden verstecken
musste. Gideon gehörte dem kleinsten Stamm Israels an und wurde selbst dort,
innerhalb seiner Familie, nicht wahrgenommen. Selbst Jesus war in seinen ersten
dreißig Lebensjahren entweder auf der Flucht, im Ausland oder arbeitete einen ganz
normalen Job als Zimmermann. Gott liebt es große Geschichten im Kleinen zu
beginnen, wohl auch, um unser Herz zu prüfen, ob wir wirklich an Bord sind, ob
unser Herz wirklich für seinen Willen schlägt, ob wir die große Vision erahnen
können, obwohl alle Umstände dagegen sprechen. „Wer im Kleinen treu ist, wird
auch im Großen treu sein“ (Lukas 16,10). Das zu verstehen ist gerade für Erweckung
so wichtig. Wir halten Ausschau nach der nächsten großen Konferenz, dem nächsten
Highlight, der nächsten bewegenden Predigt, weil wir hoffen, dass da endlich ein
Funke überspringt, Veränderung kommt und unsere Sehnsucht nach mehr von Jesus
erfüllt wird.
Dabei wartet der Heilige Geist die ganze Zeit vor unserer eigenen Haustüre, um
eingelassen zu werden. Erweckung beginnt bei uns zu Hause. Wie soll ein Feuer in
einer Kirche oder Gemeinde zum brennen anfangen, wenn die Mitglieder zu Hause
um die kalte Asche sitzen? Wie kann Gottes Gegenwart sich manifestieren, wenn wir
lediglich am Sonntag für zwei Stunden ihm unsere Aufmerksamkeit schenken, aber
unter der Woche so leben, wie jeder andere auch? Wie soll Gott mit seiner unglaub-
lichen Großzügigkeit in unser Leben hineinkommen, wenn alles, was wir geben, das
obligatorische Opfer am Sonntag ist? Dass uns, wenn wir ehrlich sind, oft überhaupt
gar nichts kostet?
Wir sind dazu herausgefordert unser Zuhause, unserer vier Wände Jesus zu weihen.
Und damit wird Glaube persönlich. In unseren Wohnzimmern ist Glaube keine Show
mehr, weil hier das echte Leben stattfindet, die Streitigkeiten, der Neid, die lauten,
unbedachten Worte, die herumliegenden Socken und unsere ganzen Sorgen und
Ängste. Zuhause, in unseren Wohnzimmern verstellen wir uns nicht, hier kann unser
Herz, ungeschönt und echt, auf Jesus treffen. Hier kann gelernt werden Tränen zu
weinen beim Beten, hier können schiefe Töne beim Lobpreis gesungen werden, hier
kann getanzt werden, als würde niemand zusehen, weil wirklich niemand zusieht.
Hier kann echter Glaube gelebt und ausprobiert werden. Hier kann geklagt werden,
gefragt werden, gezweifelt werden. Unsere Wohnzimmer symbolisieren Echtheit,
Unverfälschtheit. Und genau danach sucht der Heilige Geist.
Was mich oft traurig macht, wenn ich mir Gemeinden, Kirchen und Christen in
unseren Breitengraden ansehe, ist der Showcharakter und das lauwarme „vor-sich-
hin-leben“, ohne feurige Vision, ohne brennendem Glauben. Das „Gut-aussehen-
wollen“, obwohl hinter den Kulissen alles zusammenfällt. Die Unfähigkeit authen-
tisch zu sein. Das „Überfordert-sein“ mit Gebet, Anbetung, Hingabe. Der Klein-
glaube, das „Arrangiert-sein mit Kompromissen“. Der Mangel an Freiheit, an Ganz-
heit. Erweckung würde all diese hübsch getünchten Mauern einreißen und oft
kaputte, marode Fundamente offenbaren. Erweckung fordert großen Glauben und
absolute Hingabe. Erweckung erfordert Echtheit. Die Frage ist: sind wir in unseren
Gemeinden überhaupt dazu bereit?
Das prophetische Wort, das ich am Anfang zitiert habe, transportiert den Gedanken,
dass unsere Idee von Kirche, von Gemeinde verändert werden muss. Größer werden
muss. Spezifischer. Eigenverantwortlich. Dass sich unser Leben als Christ nicht mehr
nur hauptsächlich in den heiligen Räumen eines Kirchengebäudes abspielt und
vielleicht höchstens noch ein mal pro Woche in einem Hauskreis. Wenn Kirche in
unserem Wohnzimmer ankommt, dann hat das das Potential unser Leben auf den
Kopf zu stellen. Wir werden Dinge hinterfragen müssen. Wir werden mit unseren
Kompromissen konfrontiert. Unser Lebensentwurf kommt auf den Prüfstand. Unser
Verlangen nach Sicherheit, nach einem gut gepolsterten Bankkonto wird beleuchtet.
Wir werden uns testen lassen müssen, wie tief unser Glaube wirklich reicht. Wie echt
unser Glaube eigentlich ist. Sind wir dazu bereit?
Was unsere Welt heute braucht, sind Christen, die, gefestigt in ihrem Glauben und
überfließend von der Liebe Gottes, die Botschaft vom Kreuz erfahrbar und erlebbar
machen. Durch einen radikalen Lebensstil der Hingabe. Durch das Niederlegen von
Menschenfurcht, durch offenes, mutiges zeugnishaftes Leben. Durch das Aufstehen
für Gerechtigkeit, das Festhalten an biblischen Werten, egal was der Zeitgeist für
Ideen hat. Sind wir dazu bereit?
Erweckung hat einen Preis. Ich sehne mich danach, den Himmel auf die Erde
kommen zu sehen, ich sehne mich nach Zeichen und Wundern, ich sehne mich nach
Gemeinden, die lebendig, zielorientiert und Jesus komplett hingegeben sind. Ich
sehne mich nach Aufbruch, nach neuem, kompromisslosen Glauben. Das alles
beginnt hier, in meinem Wohnzimmer. In meinem Esszimmer, wo ich gerade am
Tisch sitze und tippe. In der Küche, im Schlafzimmer. Hier in der kleinsten Zelle der
Gesellschaft, der Familie. Wenn hier Funken gezündet werden, wenn hier ein Feuer
brennt, dann kann ein Flächenbrand entstehen. Auch in unseren Gemeinden. Aber
nicht nur. In Städten, in Firmen, in Rathäusern, in Kindergärten, in Schulen …eben
überall dort, wo wir hingehen. Denn wer einmal für Jesus brennt, zündet andere an.
Das Feuer lässt sich nicht eindämmen, wenn wir „ja“ dazu sagen. Egal, was es uns
kostet.
Die einzigen, die Erweckung verhindern können, sind wir selbst. Wenn wir uns im
Wege stehen mit unserer Religiosität und unserem Egoismus. Ich glaube, es ist an
der Zeit, ganze Sache zu machen. Die Bequemlichkeit über Bord zu werfen. Jesus
ganz zu vertrauen und nicht mehr zu schauen, was wir am meisten aus der Sache
herausholen können, sondern wie wir uns mehr und effektiver im Reich Gottes
einbringen können. Selbstlose Nachfolge ist das, was unsere Welt braucht. Und was
uns wirklich reich machen würde.
Erweckung startet Zuhause, mit uns. Inmitten von unserem Mangel und unseren
Unzulänglichkeiten. Inmitten von unserem Kleinglauben und unserer Angst. Genau
hier kann und will die größte Kraft, die es im Himmel und auf der Erde gibt, zünden.
*Inka Hammond